RTTY, PACTOR, AMTOR, SITOR, Clover, G-TOR

RTTY

Eine reiche Tradition hat auch das Amateur-Funkfernschreiben. Eng verwandt mit dem RTTY ist der Faksimile-Bildfunk. Anstelle von Textzeilen werden hier ganze Seiten von Dokumenten übertragen. Der Zeichensatz bei RTTY unterscheidet keine Groß-und Kleinschreibung. Satz- und Sonderzeichen sind beschränkt. Einige Nachrichtenagenturenstrahlen heute noch auf diese Art ihre Rundsendungen aus. Zur Geräteausstattung gehörten Anfang der 60er Jahre beim Funkamateur Fernschreibmaschinen mit mechanischem Druckwerk. Dazu kamen in den 70er Jahren Bildsichtgeräte und Tastaturen mit elektronischer Zeichenaufbereitung. Heute wird meist ein Computer mit Drucker verwendet.

PACTOR

PACTOR ist ein Verfahren zur Datenübermittlung über Kurzwellen, das sich auf Grund seiner grossen Vorzüge weltweiter Beliebtheit erfreut. PACTOR ist ein Kunstwort aus den Begriffen PACKET-RADIO und AMTOR. Die Entwickler nützten die Vorteile dieser beiden Betriebsarten und schufen unter Anwendung modernster Technik ein neues Verfahren das eine fehlerfreie Übermittlung von Daten über eine Kurzwellenverbindung gestattet. Das 1990 eingeführte PACTOR System ist 1995 mit dem PACTOR-2 System (PTC-2) erweitert und verbessert worden. PACTOR-2 ist zu PACTOR-1 (PTC-1) rückwärtskompatibel und gestattet bei guten Übertragungsbedingungen einen hohen Datendurchsatz. PACTOR-Controller werden einerseits an einen Computer angeschlossen, auf dem eines der vielen erhältlichen Terminalprogramme läuft, und anderseits an einen KW-Transceiver. Der Tonausgang des Transceivers führt zum Controller. Das Modulationssignal des Controllers wird dem Mikrofoneingang, des im Modus SSB betrieben Transceivers zugeführt. Alle modernen Transceiver arbeiten ohne Modifikationen auf PACTOR-1 und PACTOR-2.

Vorteile von PACTOR: Fehlerfreie Datenübertragung Echte binäre Datenübertragung mit Gross-, Kleinschreibung und Sonderzeichen. Automatische Anpassung der Übertragungsgeschwindigkeit an die Qualität der KW Verbindung. PACTOR-1 100 oder 200 Baud, PACTOR-2 bis ca. 1000 Bits/s. Datenkompression bei Übertragung von Text. Ausgeklügelte Fehlererkennungs- und Korrekturmethode (PTC-2). Durch Memory-ARQ wird aus mehreren defekten Datenpaketen die richtige Information rekonstruiert. Sehr kleiner notwendiger Störabstand zur Aufrechterhaltung einer Verbindung. Maximale Bandbreite 500 Hz, beim PTC-2 auch bei den höchsten Datenraten. Vollständige Mitlesemöglichkeit.

AMTOR

Seit Anfang der 80er Jahre wird zunehmend für Amateur-Funkfernschreiben das AMTOR Verfahren eingesetzt. Die Funkübertragung gleicht dem im Seefunk üblichen Fernschreibverkehr mit Schiffen. Die empfangende Station sendet dabei laufend Quittungszeichen. Störungen werden größtenteils erkannt und nach Rückfragenautomatisch korrigiert. Dieses Verfahren wird deswegen ARQ genannt (automatic request = automatische Rückfrage). Kann die Gegenstation nicht senden, weil man beispielsweise einen CQ-Ruf an alle sendet, wird statt auf Rückfragezeichen zu hören, die Sendung zeitlich versetzt wiederholt. Dieses Verfahren heißt FEC (forward error correction).

SITOR und Selektivrufzeichen

SITOR ist ein synchrones Verfahren, das Information in kurzen Datenblöcken von einer Information Sendenden Station ( ISS ) an eine Informationempfangene Station ( IRS ) schickt. Dieses Verfahren wird besonders im Seefunkdienst, aber auch von festen Funkdiensten und Funkamateuren benutzt. Für den Verbindungsaufbau ist es möglich, besonders bei automatischen Betrieb, einen Selektivruf zu benutzen. Dieses trifft vor allen für den Verkehr mit Mailboxen zu, wie sie im Amateurfunk und Seefunkdienst genutzt werden. Dieser Selektivruf wird von der gerufenen Station aufgenommen, ausgewertet und wenn erforderlich, sofort geantwortet. Das Selektivrufzeichen ist kennzeichnend für jede Station und kann zur Bestimmung von unbekannten Sendern genutzt werden. Im festen Funkdienst wird das Selekrivrufzeichen aus den 26 Buchstaben des Alphabetes gebildet. Im Amateurfunkdienst wird das 4-stellige Rufzeichen vom ersten und den letzten drei Buchstaben des eigentlichen Rufzeichen zusammengesetzt:zum Beispiel:

DL0KF =DLKF, WA6TZG = WTZG or I3IY = IIIY.

Im Seefunkdienst wird das Selektivrufzeichen für den Aufbau und Wiederaufbau von unterbrochenen Verbindungen eingesetzt. Das Selektivrufzeichen wird aus der Stationsidentifikationsnummer durch Übersetzung in eine 4-stellige Gruppe gebildet.

Clover

Hauptunterschied gegenüber anderen bekannten Verfahren für die Datenübertragung auf Kurzwelle sind die Anwendungen von mehreren Verschiedenen Modulationsverfahren, die entsprechend den Eigenschaften der KW Ausbreitungsbedingungen optimal ausgewählt werden, sowie die Verwendung eines fehlerkorrigierenden Codes. Darüber hinaus besteht die bei fast allen anderen Verfahren die Möglichkeit zur automatischen Rückfrage, falls die Fehler die Fähigkeiten zur Korrektur überschreiten (ARQ). Für dieses aufwendige Verfahren ist ein DSP Prozessor notwendig.

Vorteile von Clover: praktisch fehlerfreie Datenübertragung echte binäre Daten übertragung Groß- Kleinschreibung und Sonderzeichen möglich automatische Anpassung der Modulationsart und des Fehlerkorrekturverfahrens an die Übertragungsstrecke sehr hohe Übertragungsraten bei guter Verbindung Max. 500 Hz Bandbreite

G-TOR

G-TOR ist seit 1994 ein Verfahren zur Datenübermittlung über Kurzwellen. Der Name G-TOR ist vom verwendeten Fehlerkorrekturverfahren nach M. J. E.Golay abgeleitet. Die Entwickler schufen ein neues Protokoll, das dem PACTOR-1 System ähnlich ist, jedoch viele Neuerungen aufweist. Die beiden Verfahren sind nicht kompatibel. G-TOR benützt neben dem Golay Fehlerkorrekturverfahren im Vorwärtspfad auch eine sogenante "full frame data interleaving run-length" Kompression, Datenkompression für Gross- und Kleinbuchstaben, fehlertolerante Quittungszeichen, etc. Das neue Verfahren gestattet schnelle und fehlerfreie Übermittlung von Daten über eine Kurzwellenverbindung.

Vorteile von G-TOR: Fehlerfreie Datenübertragung Echte binäre Datenübertragung, Gross- Kleinschreibung und Sonderzeichen möglich automatische Anpassung der Übertragungsgeschwindigkeit an die Qualität der KW-Verbindung mit 100, 200 oder 300 Baud Datenkompression bei Übertragung von Text Fehlererkennungs und Korrekturmethode nach Golay Resistent gegen burst errors durch Verschachtelung der Daten innerhalb der Blöcke Mitlesemöglichkeit.